Bess´ Reise mit Mercy Ships

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nun bin ich schon fast drei Wochen an Bord der africa mercy und wir haben noch keinen free flap (freien Lappen operieren können :(

Gestern, gestern hätten wir den zweiten free flap operieren sollen (ein Junge, dessen Unterschenkel über die Kniekehle an den hinteren Teil des Oberschenkels angewachsen ist und sein Fuß an den Unterschenkel. Das alles wegen einer Verbrennung die er erlitten hat und die nicht adäquat behandelt wurde. Doch leider leider musste am Freitag ein Anästhesist, der am Sonntag angekommen wäre seinen Einsatz absagen. Da kann man hier auf Madagaskar nicht eben mal schnell einen Ersatz organisieren und so müssen wir uns die vorhandenen Ressourcen eben teilen.

Gerne könnt ihr dafür beten, dass wir genug Personal in allen Bereichen haben.

Nichts desto trotz haben wir wunderbare OPs machen können. Gestern z.B. haben wir den 71jährigen Bauern von seinem großen Tumor am Rücken befreien können. Seit 30 Jahren hat er diesen 6,5kg schweren Tumor getragen, der es ihm unmöglich gemacht hat auf dem Rücken zu liegen.

Gestern Abend als ich auf Station kam lag er dann seelig lächelnd auf dem Rücken liegend in seinem Bett und strahlte mich mit einem herrlichen, fast zahnlosen lächeln an. Der Übersetzer übersetzte mir: der Mann sei so glücklich und er danke Gott und Mercy Ships und werde überall von all dem Guten, das er hier erlebt erzählen. Diese Begegnungen sind es die mein Herz höher schlagen lassen. Heute haben wir einem Jungen an beiden Händen die Ring-und Mittelfinger getrennt. Die waren jeweils komplett seitlich aneinander gewachsen, sahen aber ganz "normal " aus. Aus seiner Leiste haben wir etwas Haut entnommen und sie an die nun freien Seiten der Finger genäht und siehe da, der junge Mann hat nun fünf Finger. So wie es sich gehört.

Obwohl ich einer Seits traurig bin, dass wir noch nicht so richtig durch gestartet sind mit den free flaps, so bin ich auf der anderen Seite doch echt dankbar für entspanntere und nicht ganz so lange Arbeitstage. Heute hab ich sogar Sonnenauf-und Untergang gesehen :) Den Untergang verpasse ich sonst meist weil ich noch im OP stecke.

Mein Team ist toll. Gestern hatten wir die Gelegenheit zusammen im midship n Kaffee zu trinken und ich konnte sie in aller Ruhe in die Materie der plastisch rekonstruktiven Chirurgie an Bord einweisen. Gefällt mir gut muss ich sagen, nicht nur on the go bzw. on the run alles neben her zu machen sondern einfach auch mit Zeit und Muse.

Am Wochenende werden uns wieder einige Kollegen aus OP Sal 1 verlassen und deshalb wollen wir am Freitag Abend gemeinsam was Essen gehen und anschließend ins Hope Center zum Lobpreisabend.

Das ist immer sehr sehr besonders wenn operierte, geheilte, Menschen die noch auf ihre OP warten, Einheimische und Ausländer zusammen Gott loben.

Patienten erzählen dann auch von ihrer Leidensgeschichte und ihrem Weg zur Heilung. Das ist immer ein ganz ganz besonderer Abend.

Samstag hab ich Dienst und am Sonntag will ich einen Ausflug auf Plum Island machen....eine schöne kleine Insel, gut zum schnorcheln und chillen. Das Wetter wird wärmer, wofür ich sehr dankbar bin.

Veloma und viele viele Grüße, Bess