die vergangene Woche
die vergangene Woche hatte es auf mancherlei weise in sich!! Die zwei Kinderchirurgen sollten am Sonntag Abend hier ankommen. Dr.Bob Kanard ein Kinderchirurg aus den USA und Prof. Andrew Shitta aus Nigeria. Sie gingen wie geplant an Bord ihres Fliegers in Antananarivo, doch einige Zeit nach dem Start musste das Flugzeug wegen eines Defekts umkehren und landete wieder in Antananarivo. Aber die Hotelzimmer, die sie am Nachmittag verlassen hatten waren inzwischen belegt und es dauerte eine Weile bis sie irgendwo untergekommen konnten. Nach einer mega kurzen Nacht starteten sie in aller Frühe und waren gegen 8 Uhr an Bord der Africa Mercy. Für den Montag war ich zunächst im OP geplant, da Dr. Tertius noch drei OPs geplant. Also bin ich zum Teambrief am Morgen. Die erste OP war ich noch dabei undbin dann zum screening. Mir gings aber gar nicht gut. Ich fror und hatte Halsschmerzen, trug die ganze Zeit eine Maske und wir screenten knapp 50 Kinder. Hauptsächlich Leistenbrüche, Nabelbrüche, Vorhautverengungen und Wasserbrüche des Hodens. Zwei sechs jährige Mädchen allerdings hatten zwei ganz andere Krankheitsbilder. Davon will ich euch in einem extra Post gerne mehr erzählen. Irgendwie schaffte ich es durch das screening, dann durch das planen der OPs und die Visite am Abend und um 19Uhr lag ich platt wie ne Flunder im Bett. Für Dienstag Morgen war um 6!!Uhr morgens ein Hybrid meeting angesetzt, eben um das Krankheitsbild und den Behandlungsplan des einen Mädchens zu besprechen. Immer noch müde quälte ich mich aus dem Bett. Der Tag verlief einiger maßen okay. Mit den beiden Chirurgen zu arbeiten macht Spaß. Sie sind beide sehr umgänglich und Dr. Kanard und ich haben einen ähnlich Sinn für Humor. Das hilft manchmal ;) Immer wieder staune ich wie Teambuildung und Zusammenarbeit hier auf dem Schiff wie im Zeitraffer funktioniert. Alle Phasen sind verkürzt oder folgen sehr schnell aufeinander. "Hellos", zusammen arbeiten und "Goodbyes" liegen oft nur eine oder zwei Wochen auseinander. Am Dienstag Abend ging ich dann zuerst mit den Kinderchirurgen zur Visite, dann sollte ich Tertius auf Station treffen um Patienten für Mittowch auf zu klären (es gab immer noch was von Ortho und Plastisch zu operieren. Wirklich sehr müde, die Erkältung erreichte langsam ihren Höhepunkt, trotte ich Richtung Station "C" wo ich Tertius treffen sollte. Auf Station C lag auch Olido, der kleine Junge dessen Auge wir entfernt hatte. Ihn täglich am Abend zu sehen war eins meiner Highlights geworden. Sobald er mich sah, breitete sich ein breites grinsen über sein Gesicht und er streckte seine Arme nach mir aus, kam in meinen Arm und kuschelte mit mir. Wie sollte mir da das Herz nicht aufgehen? Wem würde es nicht?? Wenn ich durch die Tür trat war sein Bett gleich vorne links. Während ich als den Flur entlang trottete freute ich mich innerlich schon sehr auf den nächsten Augenblick. Doch als ich durch die Tür trat starrte mich ein sauber gemachtes Bett an. Faltenfrei breitete sich das Bettlaken über das Bett und kein Olidio, keine Mama Olidio zu sehen. Eine unglaubliche Traurigkeit breitete sich in mir aus. Olidio war entlassen worden und ich hatte keine Chance ihm "Tschüss" zu sagen und ihn ein letztes mal zu drücken. Nie wieder Olidio sehen....ich trauerte....bis Donnerstag, als Tabea meine Traurigkeit in Hoffnung umwandelte. So klar, warum war ich da nicht selber drauf gekommen?? Olidio war ins Hope Center entlassen worden und ich werde ihn morgen wieder sehen!!!!! Am Mittwoch operierten wir also einen Kinderchirurgischen Punkt und dann nochmal zwei Patienten von Dr. Tertius. Der letzte Punkt auf unserer Liste hatte einen besonderen Keim und wir mussten bestimmte Hygienevorschriften beachten, die vorsahen dass wir nach der OP den gesamten OP gründlich putzten. Auch das noch...ich war immer noch in der Talsohle meiner Erkältung. Mit tatkräftiger Unterstützung von Christina unserer Hospital Direktorin war dann auch das geschafft und ich war um 19Uhr fix und foxi im Bett. Was für eine Woche....ich war nicht die einzige, die den Virus aufgeschnappt hatte. Susette meine Vorgesetzte und Dr. David Chong der Mund Kiefer Gesichts Chirurg lagen platt. Nichts desto trotz. Der Donnerstag kam und wir befreiten fünf Kinder von diversen Brüchen in in ihrem Bauchraum. Alle 5lagen auf einer Station. Auf Station "E" . Es ist die kleinste Station an Bord mit nur sechs Betten. Die Atmosphäre war ein bisschen wie auf einem Camp. Die fünf Patienten, alles Jungs im Alter zwischen fünf und 13 Jahren genossen ihren Aufenthalt sichtlich. Sie spielten und bastelten und waren aktiv bis der Anruf aus dem OP kam, dass sie ihre Prämedikamentation bekommen können. Das ist eine kleine Tablette die sie sehr müde gemacht hat und sie nicht mehr selbständig im Bett sitzen oder klar reden konnten und manchmal ganz lustig wurden. Anfangs lachten vier Jungs über den ersten, den jüngsten, dann lachten nur noch drei zwei und über den letzten lachte der frisch operierte, der inzwischen wieder auf Station angekommen war. Auch die Mütter der Jungs haben ordentlich mit gelacht und teilweise ihre eigenen Kinder in ihrem "beschwipsten" Zustand gefilmt. Das highlight des Abends war dann das Abendessen auf Deck 8 mit Natalie. Das erste mal in dieser Woche an der frischen Luft, den Wind spüren, den herrlichen Sonnenuntergang sehen, einfach sein, kein nächster Termin - herrlich. Nichts desto trotz war ich gegen 19Uhr im Bett. -Was für eine Woche- Freitag, du bist also der große Tag in dieser Woche. Ich spürte ich war auf dem Weg der Besserung. Die Energie kam langsam zurück. Was für ein schönes Gefühl. Sie kam gleich so fulminant, dass ich am Abend mit der ganzen OP Gang aus ging und erst um 23!! Uhr ins Bett fiel ;) Es tat so gut dieses kleine Abenteuer. Dadurch, dass wir ALLE spätestens um 21 Uhr an Bord sein müssen ist die Zeitspanne von Feierabend, ausgehen, essen und rechtzeitig zurück sein manchmal seeehhrrr gespannt. Tertius und ich passierten um 20:58 die Gugcas (nepalesische Eliteeinheit, die für unsere Sicherheit an Bord zuständig sind) andere kamen erst 21:15 an. Die Gurcas erwarteten sie und diesmal kamen sie mit einem einfachen Alkoholtest davon. Dr. Bob hätte das nur allzu gerne für seine Teenage Kids gefilmt :) Ein weiteres highlight am Freitag war Maria aus Texas mit ihren Cowboy Stiefeln. In ihrem OP in Texas tragen alle Cowboystiefel im OP . Ich hab das so gefeiert, what a Style :)
