die Tage fliegen
hallo liebe Blog Leser,
ich freu mich von ganzem Herzen dass du dir die Zeit nimmst und damit Anteil an meinem Erleben und dem "meiner" Patienten und mit Mercy Shipler.
Die Tage sind so voll und von vielen verschiedenen Emotionen und Energie Leveln geprägt. Ende letzter Woche hab ich fest gestellt, dass ich keine einzige Frage mehr beantworten wollte. Die ganze Woche über bin ich wirklich gut gefordert und es macht mir Spaß meine Erfahrung aus 10 Einsätzen Mercy Ships an mein Team weiter zu geben und dann zu sehen wie sie selbständig arbeiten können.
Und dann, dann reisen sie plötzlich wieder ab oder werden in anderen Sälen eingesetzt und ich darf das wieder neue Mitarbeiter in die Eigenständigkeit im OP Saal auf dem Mercy Ships führen.
Neben all dem ist organisatorisch einiges zu tun. ABER die schönen und wertvollen Gespräche und Austausch mit Kollegen und Patienten überwiegt bei weitem!!!
Am Freitag sind wir als komplettes OP Team mit der Anästhesie zusammen aus gegangen. Es tut einfach so gut mal off Ship zu sein.
Am Samstag hatte ich Bereitschaftsdienst, hab Wäsche gewaschen, bin am Pool gelegen und hab eine Präsentation vorbereitet. Jeden Mittwoch Abend haben wir an Bord eine medizinische Fortbildung und ich darf über meinen Einsatz in Uganda berichten.
Am Samstag Nachmittag war ich gerade wieder auf dem Weg zum Pool auf Deck 8 als ich Ali über den Weg lief und sie mir in einem Nebensatz sagte "oh der Capitän ist gerade auf Deck 7 und verbringt Zeit mit den Patienten"
Oh ja, die Patienten sind ja nachmittags an der frischen Luft erinnerte ich mich und änderte meinen Plan. Der Pool kann warten.
Und da saßen sie meine lieben Damen, deren Augen, Füße oder Hände wir operiert hatten. Die Kinder flitzten mit allen möglichen Gefährten über Deck und rythmische Musik erklang. Eine unglaubliche Stimmung. Lasst uns tanzen sagte ich und so tanzten wir ausgelassen den Ententanz bis wir uns glücklich erschöpft, lachend wieder setzten. Kein komisches Gefühl, keine Beklommenheit einfach Freude am Miteinander. Dann holte ich mir einen Übersetzter dazu und wir erzählten uns einfach aus unserem Leben und ermutigten uns gegenseitig. Umarmten uns und waren einfach mega glücklich darüber Leben mit einander zu teilen. Die Patienten deren beide Augen wir operiert hatten hatte die Verbände am Freitag weg bekommen und war so glücklich über ihr Ergebnis.
Sonntag hatte ich dann frei und hab einen Ausflug auf eine nahe gelegene Insel gemacht "Plum island" ein kleines unberührtes Paradies im indischen Ozean. Chillen in der Hängematte, schnorcheln und im Ozean chillen, yeah, auch das taugt mir :)
Am Abend hatten wir noch einen sehr guten Gottesdienst an Bord zum Thema "Jesus das lebendige Wasser"
Anschließend gibt es immer die "german night" wir deutsche, schweizer und manchmal auch die Holländer treffen uns im midship und es wird einfach deutsch gesprochen.
So wie einem der Schnabel gewachsen ist... ohne zu denken und nach Worten zu suchen.
Heute hatten wir wieder screening Tag und wir hatten unheimlich viele Kinder mit mit "zusammen gekrallen" Fingern oder Händen zu uns gekommen sind.
Eine Krnakheit der Armen. Da die Familien keinen elektrischen Strom haben wird am offenen Feuer gekocht und dann greifen die kleinen Kinder oft mal ins Feuer...
Wir waren gerade fertig mit dem Screening als wir oben auf der Gangway in eine Menschen Menge liefen. Wooohhooo, es waren "meine" Patientinnen die entlassen wurden. Was für ein herzliches Hallo und umarmen und was für eine Freude. Die Augen blieben nicht trocken. So eine intensive gemeinsame Zeit verbindet. Von dem Augenblick des screenings und dem "ja wir werden dich operieren" über den OP Tag , die Zeit des heilens bis hin zur Entlassung begleiten uns viele viele Emotionen und Begegnungen. Welch Freude wenn die Patienten hergestellt (physisch und seelisch) das Schiff wieder verlassen.
Eine sehr traurige Nachricht hat uns heute morgen erreicht. Winni unser langjähriger Chef Apotheker (42 Jahre alt) hatte das Schiff im Juni verlassen und war zurück nach Australien gegangen. Er hatte den Eindruck Gott ruft ihn in eine neue Arbeit und nun, nun hat ihn Gott zu sich nach Hause gerufen. Winni ist nicht mehr unter uns.
Auch das will in der Gemeinschaft hier verarbeitet und durch getrauert werden.
Eine volle Woche oder besser, volle Wochen liegen vor uns. Es gibt viel zu tun und ich hoffe so sehr dass wir alle unsere Patienten operieren können.
Nächste Woche wird am Freitag nicht operiert. Es ist das sogenannte ship holiday. Alle 6 Wochen gibt es ein verlängertes Wochenende. Das ist gut und notwendig vor allem für die Langzeitmitarbeiter, aber es fehlen uns natürlich dadurch auch wertvolle 8h OP Zeit. Aber it`s gonna be alright :)
Bei vielen von euch steht die Urlaubszeit vor der Tür und ich wünsche von Herzen eine schöne und wertvolle Zeit weg vom Alltagsstress.
Kommenden Sonntag will ich mich mit einer Freundin vom Schiff auf die Suche nach Miisa machen. Ein junger Mann aus Tamatave, den wir letztes Jahr operiert haben. Ich würde mich so freuen wenn wir ihn treffen könnten.
lg bess
ah noch völlig random: wir haben an bord immer wieder Chirurgen die im PAACS (pan african academy for christian surgeons) ausgebildet wurden. Soddo christian hospital bildet auch für PAACS aus. 2015 und 2016 war ich dort und hab bissl bei der Organisation der Siebe usw. geholfen. Lange Rede kurzer Sinn, gerade ist ein Chirurg von PAACS an Bord, der zur gleichen Zeit wie ich damals in Soddo war :) es war lustig über gemeinsame Bekannte zu reden wo ich ihn selber gerade erst kennen gelernt hatte. Er war mit dabei auf Plum Island.
meine Oma, 93 Jahre alt hat mir ca 50 Paar selbstgestrickte Baby Schühchen mit gegeben. Ich hab sie an ein lokales Krankenhaus weitergegeben und sie wärmen nun die Füßchen der Neugeborenen :)
