aus dem OP
heute schreibe ich aus dem OP. der zweite freeflap diese Woche läuft im Moment unaufgeregt, wie ein schöner Ausflug auf ruhiger See. In zwei Teams arbeiten die Chirurgen. Unser Patient, ein 6 Jahre alter Junge, der dieses schreckliche Neurofibrom hat. Obwohl es nach außen noch nicht so hässlich groß ist, so ist es doch leider nach hinten um den Augapfel gewachsen und die einzige langfriste Lösung ist das Auge komplett zu entfernen. Eine wirklich schwere Entscheidung, da es noch sehfähig war, aber eben jetzt die Chance auf "Heilung" da ist, bevor es in das Gehirn wächst und viel schlimmere Folgen haben wird. Die Mutter und auch Olidio haben sich wirklich schwer getan mit der Entscheidung. Wie gut, dass wir ein tolles Seelsorge Team an Bord haben, die ausführlich zusammen mit den Chirurgen mit der Mutter und Olidio gesprochen haben. Gestern wurden sie dann beide stationär aufgenommen und wir waren zum aufklären auf Station. Unser einheimischer Arzt (ist in Ausbildung zum plastischen Chirurgen) hat für uns übersetzt. Die Mutter bat um Gebet und so haben wir dort zusammen für sie gebetet. Kein Auge blieb trocken. Heute morgen um 6:45 war ich dann auf Station Olidio ab zu holen. Er hatte gute Medikamente erhalten und war sehr sehr schläfrig. Die Mama war unheimlich tapfer und doch lag diese traurige Schwere in der Luft. Inzwischen ist Olidios komplettes rechtes Auge entfernt und es ist unwirklich in seine leere Augenhöhle zu schauen. Diese Operationen sind einfach schrecklich. Wir werden die Augenhöhle mit einem "freien Lappen" von seinem Unterarm verschließen und Haut vom Oberschenkel dann auf seinen Unterarm verpflanzen. Da wir personell auf Station sehr knapp besetzt sind werden die Chirurgen und ich nach der OP bis morgen früh stündlich, abwechseln auf Station gehen und mit einem sogenannten "Doppler" die Durchblutung des Lappens überprüfen.
Morgen früh um 8 ist dann "abflug" mit dem Motorroller für mich. Das Wetter soll durchwachsen sein...mal schauen.
Dr. John Tzou aus Wien wird uns am Smstag verlassen und am Montag wird eine neue Assistenz für Dr. Tertius da sein. Auch aus meinem Team werden sich leider am Woende zwei sehr gute Mitarbeiter verabschieden. Das ist das Los von Mercy Ships. alles läuft irgendwie wie im Zeitraffer. Neue Mitarbeiter kommen, so schnell und so gut wie möglich einarbeiten. Einfach ist es wenn alumnis kommen, die kennen sich dann schon etwas im Schiffsleben und im OP aus. Meistens hab ich ein Team oder zumindest einen von den zwei Mitarbeitern über zwei Wochen in meinem OP das ist dann eine richtige Hilfe. Gestern hat zum Beispiel Marianne die neue OP Schwester ein gearbeitet.
Gestern waren wir ausnahmsweise mal pünktlich fertig im OP und konnten im Midship den Geburtstag von Dr. David Chung mit feiern.
Viele Grüße und vielen Dank für alle Nachrichten und Grüße. Bess
